Donnerstag, 16. Mai 2013

Das Leben und Ich

+Hallo, ich bin dein Leben!
-Ja,nee...is klar...
+Nein, wirklich! Ich dachte mir, es könnte doch ganz nett sein, wenn wir zwei uns mal ganz ausgiebig unterhalten!
-Hmm, ich finde, dass könnte ganz leicht den Eindruck eines Egotrips erwecken...
+Nun ja, wenn wir die Unterhaltung in die falschen Bahnen lenken, dann besteht diese Gefahr durchaus, aber wir wollen doch ein intelligentes Gespräch führen, habe ich nicht recht?
-Das klingt wirklich ganz nett. Zumindest könnte es helfen, dass meine Leser mich ein wenig besser kennenlernen, gell?
+Oder schlicht für schizophren halten...
-Schon möglich...
+Wie dem auch sei : Wollen wir mit dem Interview beginnen?
-Aber immer! Leg los!

+Nun denn. Wie gefalle ich dir eigentlich bis jetzt? Ich drücke es mal verständlich aus : Wie gefällt dir dein eigenes Leben bis zu diesem Augenblick?
-Puh, du fängst ja direkt mit einer sehr komplexen Frage an und ich muss zugeben, dass sie gar nicht so einfach zu beantworten ist...
+Wieso? Was ist denn so schwer daran?
-Nun ja, zu dieser Frage gibt es eigentlich mehrere Subebenen.
+Hmm, das klingt mir jetzt irgendwie ziemlich abstrus. Versuch doch einfach mal, dich auf das Wesentliche zu konzentrieren!
-Oh je...Also, ich probiere mal die verschiedenen Facetten einzeln zu beleuchten. Als erste Ebene führe ich dann mal die globale Komponente an, die sich aus meiner Existenz im Gesamtbild unseres Planeten ergibt. Wenn ich mir ansehe, was in dieser Welt international alles so stattfindet, wie zum Beispiel Hunger, Armut, Leid, Not, Elend,qualvolle Schmerzen und andere kaum aufzulistende Gräuel, dann wäre ich reichlich arrogant, mein Leben nicht als herrlich und phänomenal zu beschreiben, oder? Ich werde weder wegen meiner politischen Ansichten verfolgt, noch für meine sexuelle Orientierung angefeindet oder wegen meines Lebensstils gemobbt. Ich leide weder an einer todbringenden Krankheit, noch habe ich ein, nach gängigen Schönheitsidealen, hässliches Äusseres und ich glaube mein Intellekt ist ebenfalls nicht zu verachten. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass mir unter diesen Aspekten mein Leben einfach mehr als super gefällt. Nach diesen Maßstäben bin ich glücklich!
+Hervorragend! Das scheint mir schon mal ein gutes Zeichen zu sein. Zumindest wirkst du nicht arrogant oder egoistisch - jedenfalls nach globalen Maßstäben.
-Da sag ich doch mal danke und hoffe, das die Menschen, die mich kennen, dass genauso sehen.

+So, dann wollen wir doch mal in die Tiefe gehen. Was ist mit den anderen Ebenen dieser elementaren Frage?
-Nun gut, ich werde es versuchen. Die zweite Ebene ist die offensichtliche, private Ebene, die das Sozialleben, das Liebesleben und den Freundeskreis betrifft und was diesen Bereich angeht, gibt es ebenfalls keinerlei Grund zur Klage. Ich habe ein gesundes Sozialleben, fantastische Freunde und eine wundervolle Frau, mit der ich über alles sprechen kann, was mich bewegt - und was das Sexualleben angeht...
Also,wie gesagt, auch auf dieser Ebene kann ich nur bestätigen, dass ich mich als einen glücklichen Menschen betrachte!
+Das klingt ja ausgesprochen gut! Gibt es auch negative Ebenen?
-Auf jeden Fall! Da wäre zum Beispiel die materielle Ebene, auch wenn eine diesbezügliche Beschwerde unter globalen Gesichtspunkten schon wieder egoistisch rüberkommen könnte...Jedenfalls gefällt mir weder mein Beruf, noch die finanzielle Ausbeute die er abwirft, da es gerade so zum Leben reicht und mich einfach nicht erfüllt.
+Und warum änderst du dann nichts daran?
-Oh,weh...das klingt einfacher als es ist...Finde als ungelernter Mensch heutzutage mal einen vernünftigen Job.
+Und was ist mit künstlerischen Tätigkeiten?
-Naja, meine Zeichenkünste sind mittlerweile doch eher bescheiden und in Bildhauerei bin ich ebenfalls eine totale Niete. Das einzige, was mir liegt, ist das Schreiben - zumindest bilde ich mir das meistens ein. Ich hätte also diesbezüglich nichts gegen einen Bestseller einzuwenden.
+Herrje, wenn das jetzt mal nicht doch zu sehr nach Egotrip klingt...
-Tja, du hast diese Frage schliesslich gestellt und ich versuche, mich hier zu öffnen, ohne zuviel von mir preis zu geben. Gar nicht so einfach.

+Nun denn, gibt es noch andere Ebenen oder kann ich hier festhalten, dass du tendenziell glücklich bist?
-Es gibt noch einige Ebenen, aber diese komplett aufzudröseln würde hier definitiv den Rahmen sprengen. Prinzipiell kann man aber schon sagen, dass ich eher in Richtung Glück tendiere.
+Wo gibt es denn Defizite?
-Verdammt, du willst es auch wirklich ganz genau wissen,oder?
+Gegenfragen sind eine Art von Ausflucht. Du willst wohl nicht darauf antworten?
-Doch, klar! Sonst hätte ich dich doch gar nicht erst diese Frage stellen lassen. Okay, also ich empfinde mich manchmal als zu zurückhaltend und schüchtern. Ich würde sehr gerne mal über die Stränge schlagen und vollkommen aus mir herausgehen, aber dazu fehlt mir irgendwie der Mut...
+Feigling!
-Na, du hast leicht reden! Du bist ja nicht mit meinem Alltag konfrontiert oder müsstest dich rechtfertigen oder für deine Taten die Verantwortung übernehmen.
+Wie kommst du denn darauf? Immerhin bin ich du! Dein Leben! Alles, was du tust, macht aus mir was ich bin, in den Augen der Welt, deiner Freunde, deiner Frau, deiner Familie und insofern stehe ich als Synonym für dein gesamtes Verhalten!
-Ist das jetzt eigentlich ein philosophisches oder eher ein esoterisches Gespräch, was wir hier führen?
+Kommt auf den Standpunkt an. Willst du noch mehr zu deinen Defiziten sagen oder sollen wir ein neues Thema in Angriff nehmen?
-Neues Thema?

+Wundervoll! Dann sprechen wir nun mal über deine Schwächen!
-Grossartig...
+Na, nun hab dich nicht so! Schwächen hat nun einmal jeder auf der Welt und genau das ist es doch, was uns zu Menschen macht. Nun, was würdest du also sagen? Was sind deine Schwächen?
-Ist Schüchternheit eine Schwäche?
+Nein.
-Und Zurückhaltung?
+Wenn es dabei um mangelnde Zivilcourage ginge, dann wohl schon, ansonsten ist das doch eher eine Charaktereigenschaft.
-Ich sehe zuviel fern, lasse mich manchmal zu sehr treiben, habe kein Durchhaltevermögen, bewege mich zu oft in sozialen Netzwerken, was mich von zu erledigenden Aufgaben abhält, verstecke mich unter einer Wohlfühlmaske aus leicht verdrehter Persönlichkeit, indem ich meine innere Extrovertiertheit mit äusserlicher Introvertiertheit überlagere...
+Stop! Du sollst hier nun nicht einfach alle deine Charakterzüge aufzählen, die dich zu dem Menschen machen, der du heute bist, sondern nur kurz ein paar deiner Schwächen aufzählen!
-Hab ich doch gemacht! Oder willst du hören, dass ich zu gerne Süssigkeiten esse, oft zu spät ins Bett gehe oder zu häufig an Sex denke?
+Ist ja schon gut! Betrachten wir diese Frage einfach mal als abgehakt.
-Prima!

+Kommen wir zur nächsten Frage, die deine Leser wahrscheinlich besonders interessieren dürfte.
-Und welche wäre das?
+Gibt es etwas, was du deinen Freunden oder deiner Familie noch nicht erzählt hast?
-Ja! ich habe noch gefühlte hunderte von Manuskripten von unfertigen Stories und Erzählungen in meinem Zimmer herumliegen!
+Wirklich hochinteressant, aber das ist nicht wirklich dass, was die Menschen wissen wollen...
-Hab ich mir fast gedacht...Soll ich vielleicht von meinen Depressionen erzählen?
+Klingt nach einem Plan!
-Na schön, also für alle, die es noch nicht wissen und die es interessiert : Ich leide seit einer ganzen Weile an Depressionen und befinde mich deshalb in psychotherapeutischer Behandlung.
+Klingt ja nicht gerade positiv. Muss ich mir Sorgen machen?
-Nein! Ich habe mittlerweile gelernt, damit zu leben und dank meiner Therapeutin habe ich auch begriffen, vieles mit anderen Augen zu sehen, was mir durchaus eine Menge an Lebensqualität zurückgebracht hat.
+Na, das hört sich doch ganz positiv an!
-Finde ich auch! Es gibt zwar auch in diesen Bereichen durchaus noch Defizite und Gesprächsbedarf, aber die Therapie läuft ja auch noch und ich denke,dass diese Dinge ebenfalls am Ende zum Positiven führen werden.
+Es gefällt mir, wie offen du über diese Dinge sprichst.
-Das liegt daran, dass ich dazu beitragen möchte, das Thema Depression aus dem Schattendasein zu holen, in dem es sich in der heutigen Zeit leider noch immer befindet. Ich finde es wichtig, diese Dinge zu thematisieren und anderen Menschen Mut zu machen, sich zu öffnen und sich ihrer psychischen Probleme nicht schämen zu müssen.

+Okay, dann versuchen wir doch mal das nächste Thema anzusprechen. Du hast gerade eine Vasektomie machen lassen...
-Moment mal! Das geht nun wirklich ein wenig zu sehr ins Detail und mein Privatleben soll hier jetzt auch nicht komplett nach aussen getragen werden!
+Naja, aber es könnte doch den ein- oder anderen da draussen interessieren, wie so ein Eingriff vonstatten geht und ob es schmerzhaft ist.
-Oh Mann, dazu gibt es genug einschlägige Literatur und auch im Internet lässt sich dazu eine Menge finden. Ob es schmerzhaft war? Nun ja, sagen wir mal so: Es war extrem unangenehm und hat auch die Tage danach noch ganz schön gezogen, aber es war erträglich.
+Na gut, dann belassen wir es einfach dabei.
-Find ich gut!

+Themawechsel - Ich habe gehört du bist Veganer und ißt absolut keine tierischen Produkte?
-Lustig...Du bist mein Leben, also ist es ja wohl klar, dass du davon gehört haben musst.
+Okay. Aber möchtest du dazu etwas sagen?
-Nicht wirklich...Es ist für mich eine persönliche Entscheidung,die jeder Mensch für sich selber treffen muss und ich schreibe niemandem vor, wie er oder sie sich zu ernähren hat.
+Dennoch liegt dir dieses Thema sehr am Herzen, oder?
-Natürlich! Und ich freue mich über jeden, den ich zum Nachdenken anregen kann und der vielleicht sogar in Erwägung zieht, seine eigenen Ernährungsgewohnheiten zu überdenken. Allerdings bin ich kein überheblicher Gutmensch, der mit dem Vorschlaghammer daherkommt und allen, die nicht vegan leben, Vorwürfe aufgrund ihrer Entscheidungen macht.
+Und warum genau bist du Veganer geworden?
-Wie gesagt, aus Gewissensgründen. Ich könnte jetzt die enorme, qualvolle Ausbeutung der Tiere und ihr unsägliches Leid anführen, ich könnte mit verschwendeten Ressourcen argumentieren, die für die Haltung und Zucht von Nutztieren aufgewendet werden müssen und anderweitig besser genutzt werden könnten, ich könnte auch erwähnen, dass es eine gewaltige Wasservergeudung und Nahrungsmittelverschwendung darstellt, die das übertriebene Halten von zu vielen Nutztieren mit sich bringt oder auch mit den unglaublich tierquälerischen Bedingungen kommen unter denen die Tiere leben müssen und tausende anderer Fakten, die gegen den Fleischkonsum sprechen - aber alle diese Dinge, die zwar den Tatsachen entsprechen, werde ich hier nicht anführen, da wie gesagt, jeder seine eigenen Entscheidungen treffen muss und ich niemanden dafür kritisieren oder anfeinden will.
+Nun ja...in gewisser Weise hast du das aber dennoch gerade getan.
-Nicht wirklich und wenn das so rüberkam,dann tut es mir leid. Ich habe einfach nur ein paar Tatsachen wiedergegeben und wie jemand diese Fakten aufnimmt oder empfindet, darauf habe ich keinerlei Einfluss.
+Aber manch einer wird sagen, dass man über diese Tatsachen streiten könnte.
-Okay,da könntest du unter Umständen recht haben und deshalb werde ich das ganze einfach mal auf zwei simple Fakten reduzieren, die für mich persönlich elementar sind und jeder kann danach seine eigene, individuelle Entscheidung fällen. Dennoch verurteile ich niemanden!
+Da bin ich gespannt.
-Fakt Eins - und dieser Fakt steht absolut ausser Frage - Tiere haben ein Schmerzempfinden und können leiden. Sprich : Sie sind Lebewesen, die atmen, fressen, schlafen und Empfindungen haben. Das ist unbestritten.
+Stimmt.
-Fakt Zwei - und auch hier gibt es keinerlei Zweifel - Um Tiere essen zu können, müssen sie getötet werden.
+Stimmt auch.
-Also : Zusammengefasst bedeutet das nichts anderes, als dass Menschen empfindungsfähige Wesen töten, um sie zu essen. Mehr brauche ich persönlich nicht zu wissen, um mir meiner Entscheidung absolut sicher zu sein.
+Okay. Also an diesen beiden Tatsachen gibt es tatsächlich nichts zu rütteln...
-Eben! Können wir nun das Thema wechseln?
+Klar
-Danke, ich will hier schliesslich keine kontroverse Diskussion ins Rollen bringen.

 +So, aus sicherer Quelle habe ich erfahren, dass du Bisexuell bist?
-Na, da wird die sichere Quelle wohl eine wichtige Erkenntnis zu Tage gebracht haben, denn das entspricht den Tatsachen.
+Herrje, habe ich dich soeben geoutet?
-Nicht wirklich. Es ist ja nun nicht so, dass ich ein grosses Geheimnis daraus machen würde.
+Allerdings hängst du es auch nicht an die grosse Glocke...
-Warum auch? Ich finde, um diese ganze sexuelle Orientierung eines Menschen wird heutzutage viel zuviel aufhebens gemacht. Spielt es denn ernsthaft eine Rolle, ob jemand auf Frauen oder auf Männer steht? Wenn sich Menschen lieben, dann lieben sie sich - Punkt!
+Menschen? Meinst du nicht eher zwei Menschen?
-Sagen wir mal so: Nein! Meistens ist das natürlich der Fall, aber es gibt auch polyamore Beziehungen mit mehr als zwei Menschen. Selbst wenn es den meisten schwer fallen dürfte, dass nachzuvollziehen und es für mich auch eher nicht in Frage käme, so wäre es dennoch anmaßend, Menschen zu verurteilen, die sich für diese Form des Zusammenlebens entschieden haben.
+Scheint so als seist du ein sehr offener Mensch.
-Allerdings.
+Und stehst auch auf Männer?
-Nun ja, ich glaube darum nennt man es Bisexuell.
+Gibt es noch Bemerkungen hierzu, die du gerne loswerden möchtest?
-Ja! Menschen sollten in unserer Welt keine Angst haben müssen vor ihrer eigenen sexuellen Orientierung und es sollte niemand deswegen gemobbt werden oder diskriminiert. Warum muss es überhaupt thematisiert werden? Lasst uns jeden Menschen einfach so akzeptieren, wie er oder sie ist, ohne es zu hinterfragen.
+Das hört sich wirklich gut an.
-Eben! Und es ist so simpel!

+Ich denke zum Abschluss wäre vielleicht eine lustige Begebenheit aus deiner Vergangenheit für deine Leser ganz witzig.
-Oh je...
+Oder ein kurzer Witz?
-Noch schlimmer...
+Versuchs doch mal!Fällt dir nicht doch eventuell was humorvolles ein?
-Da müsste ich jetzt echt überlegen.
+Nur die Ruhe, lass dir Zeit.
-Ausgesprochen gnädig von dir.
+Keine Ursache! Für jemand so gut aussehenden wie dich, da mach ich doch gerne mal eine Ausnahme!
-Na, da spricht aber ein wahrhaft weiser Intellekt!
+Passt doch zu deiner fantastischen Ausstrahlung!

*HEY! WAS SOLL DENN JETZT DIESE BESCHEUERTE LOBHUDELEI UND DIESES UNERTRÄGLICHE EIGENLOB? GEHTS NOCH??
+Wer spricht denn jetzt da?
-Würd mich auch mal interessieren...
*DEIN GEIST
+Häh?
-Häh?
*NA, DEIN INNERES SELBST.DEIN GEFÜHL.DEIN GEWISSEN.DEINE SEELE.
+Ach so...
-Und was willst du?
*DIESEN UNERTRÄGLICHEN DIALOG STOPPEN.ES SEI DENN DU WILLST WIRKLICH SCHIZOPHREN WERDEN.
+Nö,
-eigentlich nicht.
*NA DANN...
+...verabschiede...
-...ich mich an dieser Stelle mal von meinen Lesern und hoffe ihr habt ein bisschen mehr von mir erfahren ;)

*+-EUER

DUNKELSCHEIN


-Pssst...Kommt ein Indianer zum Friseur. Kommt wieder raus - Ist sein Pony weg!...
+Also Witze sind echt nicht dein Ding...