Freitag, 19. Dezember 2014

Wo leben wir denn eigentlich?!

Ich habe gerade eben einen Beitrag gesehen zum Thema Pegida und auch wenn es mich extrem stört hierzu etwas zu schreiben, denn ich möchte diese unsägliche 'Vereinigung' nicht wichtiger machen, als sie ist, so komme ich nicht umhin, sie als Einstieg in diesen Beitrag zu verwenden, denn es geht um die ganze unerträgliche Symptomatik, die sich dahinter verbirgt.
Man kann es drehen und wenden wie man will, aber das grundlegende Problem hinter dieser Gruppierung ist das gleiche, was sich seit einigen Jahren verstärkt durch die gesamtdeutsche Bevölkerung zieht.
Angst vor Fremden.
Ich sage hier bewusst nicht Ausländer, denn Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen, weil sie in ihren Heimatländern von Mord,Vergewaltigung,Folter und unsagbar grausamen Lebensbedingungen bedroht werden nur als Projektionsfläche dienen für tiefer liegende Ängste und Sorgen. Menschen neigen einfach dazu andere, meistens wehrlose Menschen für ihre eigenen Unzulänglichkeiten verantwortlich zu machen.
Sie geben gerne anderen Menschen die Schuld an ihrem schwachen Einkommen, machen andere Menschen verantwortlich für ihre magere Rente, fürchten gar eine Unterwanderung fremder Glaubensrichtungen und lassen es schlicht nicht zu, in ihrer eigenen Lebenseinstellung notwendige Änderungen vorzunehmen, denn das würde ja Arbeit bedeuten und eventuell ein gewisses Mass an Anstrengung erfordern.
Uns geht es schlecht, also muss jemand anderes dafür die Schuld tragen...so sieht die Einstellung vieler dieser Leute aus.
Und wer bietet sich für diese Personen als Schuldiger am ehesten an, als Menschen, die aus anderen Kulturen stammen.
Ihnen fremd sind.
Andere Glaubensrichtungen haben.
So fällt es diesen Menschen leichter den nötigen Abstand zu wahren und die Distanz zu sich selbst möglichst gross zu halten.
Es würde ihnen im Traum nicht einfallen mal über den eigenen Horizont hinaus zu blicken und sich mit den so verhassten Fremden einmal näher zu befassen, sich tatsächlich einmal die Mühe zu machen und sich über echte Fakten zu informieren. Dann fiele ja ihr Feindbild weg und sie würden erkennen, wie falsch, scheinheilig und sogar undankbar eine solch fremdenfeindliche Gesinnung eigentlich ist und wie schmerzhaft es für Hilfe suchende Menschen sein muss, vor unmenschlichen Bedingungen fliehen zu müssen, nur um dann in die Gesichter von Personen zu blicken, die sie verdammen und für ihre eigene Unzulänglichkeit verantwortlich machen.
Ich sage nicht, dass in unserem Land alles wundervoll ist und es keinerlei Probleme gibt. Auch gibt es eine Menge, was unsere Regierung verbessern könnte und es ist tatsächlich so, dass Menschen, die zum Randbereich unserer Gesellschaft gerechnet werden, immer noch vielfach undankbar behandelt werden und es verdammt schwer für diese Menschen ist über die Runden zu kommen.
Doch verzweifelte Flüchtlinge dafür verantwortlich zu machen ist nicht nur grundsätzlich falsch, sondern auch gefährlich dumm.
Selbst wenn ein geringer Teil dieser Menschen sich eine Aufenthaltsgenehmigung unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschleichen wollte - auch das ist Realität, gebe ich gerne zu - so ist es dennoch nur ein verschwindend geringer Teil, der sogar so unsagbar klein ist gegenüber allen in Deutschland geborenen Personen, die ihr eigenes Sozialsystem ausnutzen, dass es schier unglaubwürdig ist, wenn hier nach irgendwelchen Schuldigen gesucht wird.
Pegida-Menschen sind wütende und verängstigte Personen, die nach einem Strohhalm greifen, die auf sich aufmerksam machen wollen, die verzweifelt von ihrem eigenen System erdrückt werden. Und diese Personen gibt es leider nicht nur bei solchen 'Vereinigungen', sie befinden sich tief im Herzen unser wunderbaren Demokratie, in der man zur Wahl gehen kann, in der man eigene Parteien gründen kann und selbst etwas bewegen kann, wenn man nur wirklich möchte, in dem man frei leben kann und sagen und denken kann, was man will.
Etwas was bei weitem nicht selbstverständlich ist in dieser Welt und genau diese Freiheit ist es leider auch, die dazu führt, dass Menschen unter dem Deckmantel des Protests und aus schierer undifferenzierter Wut auf die Strasse gehen und mit dem Finger auf alles zeigen, was sich als Schuldiger anbietet.
Ich frage mich ganz bewusst, in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich?
Wollen wir wirklich unseren Ängsten soviel Platz einräumen, dass sich unser gesunder Menschenverstand verabschiedet und wir der Irrationalität nachgeben?
Wollen wir wirklich auf die Strasse gehen und gegen etwas demonstrieren, was aus den Tiefen unserer Fantasie entspringt und sich bei ernsthafter genauer Betrachtung nicht nur als vollkommen absurd herausstellt, sondern sogar die Demokratie selber in ihren Grundfesten bedroht?
Ich möchte es jedenfalls nicht und so hoffe ich inständig, dass auch die Nachzügler, sprich Fremdenfeinde und Pegida-Gruppierungen, endlich wieder ihr Gehirn benutzen und einsehen, dass sie dabei sind in die vollkommen falsche Richtung zu gehen.
Einsehen, dass es genau die ausländischen Einwanderer sind, die unsere Kultur überhaupt erst mit aufgebaut haben, die geholfen haben aus unserem Land ein lebenswertes, weltoffenes Deutschland zu machen, in dem wir friedlich miteinander leben können und in der auch alle unterschiedlichen Glaubensrichtungen einen Platz finden können.
Und nur mal so am Rande...der Islamismus-  und ich spreche hier von dem Grundglauben und nicht vom radikalen Islamismus, der sehr wohl eine ernsthafte Gefahr darstellt- ist weit davon entfernt unsere eigenen Glaubensrichtungen zu unterwandern oder in irgendeiner Form zu bedrohen, dazu ist er auch viel zu wenig präsent in unserem Land.
Auch ist es ein gerne erwähntes Märchen, dass die meisten Ausländer in unserem Land Kriminelle sind, auch hier sprechen die Fakten und die Tatsachen eine komplett andere Sprache.
Bevor ich heute den eingangs erwähnten Bericht gesehen habe, dachte ich noch, dass diese vorgeschobenen Aussagen mittlerweile komplett überholt sind, aber leider wurde ich eines besseren belehrt und musste mit Erschrecken feststellen, dass unser Land durchaus noch ein sehr grosses Mass an Aufklärung nötig hat.
Lasst uns also zusammen rücken, Katholiken,Islamisten,Protestanten,in Deutschland geborene und nicht hier geborene, Flüchtlinge,Rentner,Arbeitssuchende und alle offenen und aufgeklärten Menschen und dann die fehlgeleiteten armen Seelen, die bei Pegida mitmarschieren oder ähnliche Gedankengänge haben an der Hand nehmen, sie aufklären und ihnen zeigen, wie diese Welt eigentlich ist.
Offen.
Freundlich.
Tolerant.
Verantwortungsbewusst.
Zeit, dass dieser dumme Hass auf alles Fremde endlich aufhört.





Donnerstag, 11. Dezember 2014

Die Aber-Scheinheiligkeit

Kennt ihr die Aber-Menschen?
Diese seltsamen Subjekte, die ständig an alles ein 'aber' anfügen, weil sie nicht den Mut haben offen auszusprechen, was sie wirklich denken?
Diese gefährliche Subspezies, die eine echte Gefahr für unsere Gesellschaft darstellt und unsere demokratischen Grundsätze bedroht ohne es zu realisieren?
'Ich habe nichts gegen Ausländer', sagen sie, 'aber...'
'Ich bin gegen die Todesstrafe', ist auch sehr beliebt, 'aber...'
'Ich bin ein toleranter Mensch' , immer gerne gesagt, 'aber...'
'Ich habe nichts gegen Homosexuelle' , fast schon Standard, 'aber...'
Aber was? Aber doch?
Was soll dieses scheinheilige 'aber' ständig dahinter? Wer nichts gegen Ausländer hat, der benötigt kein 'aber' am Ende. Es gibt kein 'aber' in diesen Dingen. Ausländerfeindlichkeit zeigt sich meistens im verborgenen, hinter vorgehaltener Hand. Menschen, die etwas gegen Ausländer haben, wollen nicht, dass es jemand erfährt, denn es gehört sich nicht in dieser Welt - es gehört sich vollkommen zu recht nicht. Darum verstecken sie ihr wahres Gesicht hinter einer Fassade und versuchen es mit einem angehängten 'aber' zu kaschieren. Doch dieses 'aber' ist aussagekräftiger als alles, was sie sonst von sich geben könnten. Es offenbart den Kern hinter ihren Ansichten. Es bedeutet, dass sie sehr wohl etwas gegen Ausländer haben, denn sonst wäre ein 'aber' überhaupt nicht notwendig.
Die gleiche Scheinheiligkeit verbirgt sich bei einem 'aber' zum Thema Todesstrafe...oder Toleranz...oder Homosexualität. Ein wahrhaftiger Gegener der Todesstrafe hat kein 'aber' nötig, ein wirklich toleranter Mensch benötigt keinen solchen fadenscheinigen Beisatz, der mit 'aber' beginnt und jemand, der tatsächlich nichts gegen Homosexuelle hat, der hat auch kein überflüssiges 'Aber'-Anhängsel nötig.
Ganz im Ernst, dieses 'aber' geht mir gehörig auf die Nerven und zeigt mir immer wieder in was für einer ach-so-offenen Welt wir eigentlich leben und wie weit entfernt wir noch sind von einer Gesellschaft der Akzeptanz und Offenheit.
Meistens ist es nicht nur dieses auf den ersten Blick so harmlose und doch so eiskalt offenbarende 'aber', was schon für sich alleine genommen eine so enorme Wirkung hat, es ist bereits der Beginn dieser überflüssigen Aussagen, der diskriminierend ist.
'Ich habe nichts gegen Homosexuelle'...als ob es ein solches Statement hierzu überhaupt bedürfte.
Als wollte man bereits mit dieser Message alle Homosexuellen vom Rest der Welt abgrenzen.
Eine solcherart beginnende Aussage zeugt bereits von Intoleranz.
Man stelle sich nur einmal vor, jemand würde einfach kurzerhand das Objekt in diesem Fall austauschen, dann merkt man sehr schnell, wie verletzend bereits dieser Anfang ist.
'Ich habe nichts gegen Frauen...'
'Ich habe nichts gegen alte Menschen...'
'Ich habe nichts gegen Behinderte...'
Wenn dem so ist, was soll denn eine solch überflüssige Bemerkung eigentlich ausdrücken?
Bei voller Gleichberechtigung, die nicht nur von mir und Millionen intelligenter Menschen gewollt ist, sondern sogar notwendig für eine vernünftige Zukunft, dürften diese Satzstrukturen gar nicht existieren. Diskriminierung und Scheinheiligkeit fängt immer bereits dort an, wo wir sie am wenigsten vermuten würden.
Hütet euch vor dem 'Aber...'
Nehmt euch in Acht vor den Leuten, die nicht aufhören können, in diesen dummen Schubladen zu denken und die meinen, wenn man es nur nett verpackt und sich hinter einem abstrakten 'aber' versteckt, dann fällt es nicht so auf und sie könnten mit ihren Ansichten sogar durchkommen.
Ich hoffe inständig, dass diese Aber-Kultur eines Tages vollkommen verschwunden ist und auch der letzte scheinheilige Aber-Terrorist mit dieser Idiotie aufhört.
Wie gesagt, Toleranz, Offenheit und Akzeptanz fängt bereits im Kleinen an, also lasst uns dafür sorgen, dass ein kleines, doch dennoch sehr gefährliches Wort nicht unsere wunderbare Welt bedroht.