Stellen wir uns mal kurz eine andere Welt vor.
Nehmen wir mal an, in dieser fiktiven Welt wäre Homosexualität die vorherrschende Orientierung und nur ein kleiner Prozentsatz auf dieser Welt wäre heterosexuell.
Und nehmen wir mal weiterhin an, dass es sogar so ist, dass obwohl diese erfundene Welt eine sehr tolerante und weltoffene Erde darstellt, Heterosexualität dennoch in den Köpfen vieler Menschen argwöhnisch beäugt wird, es sogar an der Tagesordnung ist, blöde Witze darüber zu machen und sich deswegen auch viele Menschen einfach nicht trauen, sich als heterosexuell zu outen.
Klingt irgendwie sehr befremdlich und dennoch auch wieder sehr vertraut, oder?
Ist einfach erstmal nur ein kleiner Perspektivwechsel.
In einer solchen Welt könnte die folgende Unterhaltung zwischen zwei Vätern und ihrem heranwachsenden Sohn stattgefunden haben :
Sohn: Papa Volker, Papa Horst - ich möchte kurz mit euch reden. Ich habe euch etwas zu sagen, was mir sehr schwer fällt...
Volker: Aber mein Junge, es gibt doch nichts, was dir uns gegenüber schwerfallen müsste.
Horst: Genau! Schütte uns dein Herz aus. Wir hören dir zu.
Sohn: Okay, ich versuchs...Habt ihr euch eigentlich jemals gefragt, warum ich bisher noch nie einen Freund mit nach Hause gebracht habe?
Horst : Naja, du bist doch noch recht jung. Diese Liebesdinge brauchen einfach manchmal ihre Zeit.
Sohn: Aber das ist es ja, ich bin verliebt!
Volker : Oh! Na das freut mich aber für dich! Wer ist es denn? Der süsse Junge aus deiner Parallelklasse etwa?
Sohn: Nein. Sie heisst Katrin...
Horst: Du meinst ...
Sohn: Papa, Paps - Ich bin Hetero...
Volker: Scheisse! Das ist jetzt aber nicht dein Ernst, oder?
Horst: Hast du dabei eigentlich auch nur einmal an uns gedacht? Was macht denn das für einen Eindruck auf die Nachbarn?
Sohn: Und ich? Die Nachbarn sind mir doch scheissegal! Habt ihr euch mal gefragt, wie ich mich dabei fühle?
Volker: Mach dir mal keine Sorgen. Ich hab gehört, dass sei heutzutage therapierbar!
Sohn: Was? Ich will nicht therapiert werden! Ich bin doch nicht krank, sondern einfach nur Hetero!
Horst: Aber das kann nicht dein Ernst sein! Du weisst doch, dass Gott Heteros hasst! Willst du denn nicht in den Himmel kommen?
Sohn: Papa, ich kann mir nicht vorstellen...
Volker: Verdammt, mein eigener Sohn ist ein Muschilader! Ich glaub ich krieg hier gleich nen Herzinfarkt!
Horst: Da siehst du, was du deinem Vater damit antust!Ich verlange, dass du dich entschuldigst und Busse tust!
Sohn: Ich dachte, ihr habt mich lieb und würdet das verstehen...
Ich breche hier mal die Unterhaltung ab, denn im Grunde wird hier bereits einiges deutlich...
Wenn man sich nun mal vorstellt, Heterosexuelle besässen in einer solchen Welt die Dreistigkeit und würden für Gleichberechtigung eintreten, die Gleichstellung mit einer Homo-Ehe vor dem Gesetz einfordern oder sich einfach nur einen unvoreingenommenen Umgang mit ihrer sexuellen Orientierung vom Rest der Bevölkerung wünschen.
Eine Katastrophe wäre die Folge!
Oder etwa nicht...?
Falls irgendjemand in einer solchen Welt leben möchte,die diese Wünsche nicht akzeptieren will, so kann ich an dieser Stelle alle Homosexuellen beglückwünschen, denn in einer solchen Welt befinden wir uns bereits!
Und alle Heterosexuellen, die sich auch nur ansatzweise so fühlen möchten, die sind herzlich eingeladen, sich in die eingangs beschriebene fiktive Welt zu versetzen, um sich mal ein Bild zu machen, welche emotionale Tortur das bedeuten kann.
Ich kann nur sagen, ich fühle mich echt beschissen, in einer solchen Welt der Intoleranz, Entfremdung, Anfeindung und Inakzeptanz der Homosexualität zu leben und ich schäme mich regelrecht, wenn ich die Tageszeitung lese oder den Fernseher anmache, wenn ich mitbekomme, wie allen Ernstes immer noch darüber diskutiert wird, ob es eine rechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe zur 'herkömmlichen' Ehe geben sollte.
Mir platzt ja bereits bei dem Wort 'Homo-Ehe' der Kragen, denn eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich lieben und die Ja zueinander sagen wollen, ist immer eine Ehe und eine Homo-Ehe unterscheidet sich dabei in keinster Weise von einer Hetero-Ehe.
Das Wort allein hat also bereits einen diskriminierenden Charakter.
Machen wir uns nichts vor : Wir leben in einer Welt, in der die katholische Kirche und auch viele andere Religionen, Homosexualität verdammen; Wir leben in einer Welt, in der Väter und Mütter ihre Kinder verstossen, wenn ihre sexuelle Orientierung nicht in ihr 'Weltbild' passt;
Wir leben in einer Welt, in der Homosexuelle für ihre Ausrichtung verprügelt und sogar getötet werden!
Und ganz ehrlich : Mir reichts! In einer solchen Welt will ich nicht leben und ich schäme mich für all die Menschen, die immer noch nicht begriffen haben, dass Homosexualität genauso normal ist, wie Heterosexualität und es Zeit ist, Homosexuelle nicht mehr zu brandmarken, auszugrenzen, anders zu behandeln oder auch nur neue Bezeichnungen für gleiche Dinge zu finden.
Wir sollten endlich aktiv dazu beitragen, dass Homosexuelle keinen Grund mehr haben müssten, sich zu outen, da die sexuelle Orientierung eines Menschen vollkommen irrelevant ist für seinen Charakter.
'Gleiches Recht für alle' ist ein Satz, den wir alle bestimmt schon tausendmal gehört haben, so dass es den Anschein hat, er wäre fast schon zu einer Farce verkommen...
Es wir Zeit, dass wir uns diesen Satz wieder in seiner vollen Tragweite bewusst machen und endlich anfangen mit der absoluten Gleichstellung aller Menschen auf diesem Planeten!
Gleiches Recht für alle!
Das sagt euch Dunkelschein oder in dem Fall sage ich euch dass höchstpersönlich, denn offen für etwas einzutreten, heisst auch, den Mut zu haben, sich selbst dahinter zu stellen.
Ein Blogpost von
Manuel
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