Donnerstag, 29. August 2013

Die weisse Böe

Manchmal fühle ich mich wie auf hoher See, wenn meine Gefühle so überwältigend werden, dass sie in riesigen Wellen über mich hinwegbranden.
Jede Welle immer ein Stückchen grösser, als die vorhergehende preschen sie heran, wie die gewaltigen drei Schwestern des Meeres und es gibt keinerlei Möglichkeiten mehr, ihnen auszuweichen.
Diese emotionalen Wellen sind dann so unglaublich stark, dass sie mir die Brust zu zerreissen drohen und ich das Gefühl habe, ihnen nicht widerstehen zu können. Sie durchfluten mich wie eine kosmische Energie ungeahnten Ausmaßes und künden von einer Veränderung, die ich so nie erwartet hätte und die mein Leben vollkommen auf den Kopf stellt.
Und dennoch sehne ich diese Brecher herbei, warte auf jede neue Erhebung, um mich ihnen dankbar entgegen zu werfen, ihnen zu trotzen mit all meiner Macht, um danach gestärkt wieder daraus hervorzutauchen, emporzuklettern und den Schmerz und die Kälte zu ertragen.
Es ist wie eine gottgleiche Reinigung der Seele und ein Spüren meiner ureigensten Stärken und Energien.
Und ich bin stark...
Ich halte aus...
Ich trotze...

Doch ich fühle sie kommen...
Wie eine wilde Bestie rollt sie heran, türmt Schicht auf Schicht, wächst, wird grösser und gewaltiger, als alles zuvor dagewesene, lässt mich erzittern vor Ehrfurcht vor ihrer schieren, unvorstellbaren Macht.
Treibt mir Tränen des Schmerzes, der Angst und des Nicht-wahrhaben-wollens in die Augen.
Die weisse Böe!

Mittelpunkt zahlreicher Legenden des weiten Meeres, eine Urgewalt, die sich durch nichts und niemanden aufhalten lässt, die alles verschlingt, was sich ihr in den Weg wirft.
Kilometerhoch steht sie beinahe regungslos vor mir und wartet...
Wartet...
Wartet...
Und ich treibe hilflos und verloren im unendlichen Ozean und starre sie an, wissend dass ich ihr nicht entkommen kann.
Ich weiss nicht wie oder ob ich es überhaupt schaffe, aber sie muss mich verschlingen, muss mich durchdringen, muss sich durch die emotionalen Windungen meines Körpers, meines Geistes und meiner Seele kämpfen, mich hin- und herschleudern, wie einen Spielball der Unendlichkeit.
Und dann?
Sehe ich am Horizont einen Lichtstrahl aufblitzen?
Wie ein Leuchtturm für die Verlorenen lotst er mich und gibt mir die Kraft und auch die Hoffnung auf eine ruhige See, auf Schönheit, Anmut, Liebe und Geborgenheit.
Und ich betrachte diesen einen kleinen Lichtstrahl und dann weiss ich - alles wird gut werden, alles hat einen Sinn, es gibt Hoffnung.
Und in diesem kleinen Augenblick des Verstehens lächle ich der Bestie in ihr Antlitz und warte auf den Moment, in dem sie zuschlägt.

Komm zu mir weisse Böe - ich habe keine Angst mehr vor dir!

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