Dienstag, 30. Mai 2017

Freiheit

Gibt es die Freiheit als solche tatsächlich oder wünschen wir uns nur dass sie real ist?
Zuerst einmal gilt es herauszufinden was Freiheit eigentlich genau bedeutet.
Wir alle leben in einem freien Deutschland, in einem freien Europa und in einer sogenannten Demokratie in der die Entscheidungen von der sogenannten Mehrheit getroffen werden.
Ist Demokratie also die optimal möglichste Form der Freiheit?

Wir dürfen prinzipiell sagen und denken was wir wollen ohne tendenziell Angst haben zu müssen dafür bestraft zu werden. Wobei die Sache mit dem aussprechen der eigenen Gedanken nicht zwangsläufig so ohne weiteres möglich ist ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Denken wir nur einmal an das Thema Verleumdung, an Beleidigungen, an Anfeindungen jedweder Art. Diese Dinge gehören meiner Ansicht nach tatsächlich geahndet und im Extremfall auch bestraft. Doch was bedeutet es dann für die Freiheit? Ist unter solchen Gesichtspunkten eine ultimative Freiheit überhaupt möglich oder bleibt uns nur das herantasten und der Versuch dem Ideal von Freiheit so nah wie möglich zu kommen?

Logischerweise ist es strafbar einem anderen Menschen Leid zu zu fügen, ihn zu bestehlen oder im schlimmsten Fall sogar zu ermorden. Doch wenn man die Freiheit als etwas vollkommenes und unantastbares betrachten würde, dann wäre jedwede Einschränkung in diesen drastischen Fällen zwangsläufig ein ausbremsen des Freiheitsgedankens. Genau deshalb kann es nur einen logischen Schluss geben: Ultimative Freiheit gibt es nicht und kann es auch niemals geben. Es ist unabdingbar unser gemeinsames Leben in eine gewisse Form der Gesetzgebung zu bringen und der Exzessivität in vielen Bereichen ein Limit zu setzen. Sollte die Menschheit eines Tages soweit sein, dass Mord und Totschlag insofern der Vergangenheit angehören, dass diese extremen Gelüste selbst bei den niederträchtigsten Menschen gar nicht erst aufkommen und sogar vollkommen undenkbar sein, dann nähern wir uns eventuell so etwas wie ultimativer Freiheit ein wenig an.

Halten wir also fest: Vollkommene Freiheit gibt es nicht.

Doch welche Form der Freiheit bleibt uns dann und wie können wir die höchstmögliche Form davon zu Lebzeiten erreichen?
Das wichtigste dabei ist dass wir in unseren grundsätzlichen Entscheidungen frei sind und nie das Gefühl haben fremdbestimmt zu agieren. Wir wollen es selbst in der Hand haben wann wir aufstehen, was wir zum Frühstück essen, ob wir überhaupt frühstücken, was wir mit unserer Zeit anfangen, wohin wir gehen, mit wem wir befreundet sein wollen, welche Konzerte wir besuchen, welche Bücher wir lesen, ob wir etwas tun oder uns einfach nur zurücklehnen und in den Tag hinein träumen.
Solange wir selbst bewusst entscheiden können was wir mit unserem Leben anfangen wollen haben wir schon die beinahe grösstmögliche Form der Freiheit erreicht und können uns zumindest sehr glücklich schätzen, denn diese Form der Freiheit existiert leider nicht überall auf diesem Planeten.
Insofern ist ein demokratisches Land wohl so nahe wie möglich dran an der Freiheit.

Es gibt natürlich auch andere Staatsformen die unter den richtigen Bedingungen noch näher an die optimalste Form der Freiheit heranreichen können, wie zum Beispiel die sogenannte Anarchie. Und damit meine ich nicht das totale Chaos wie es in diversen Blockbustern oder in den Mainstreammedien gerne dargestellt wird, sondern den Kern hinter dem ganzen. Jeder kann so sein und leben wie er oder sie es gerne möchte. Ohne Reglementierungen oder Normen wie sie in unseren Breiten gerne aufgesetzt werden.
Doch wo liegt dann eigentlich das Problem? Warum ist es nicht möglich die ultimative Form der Freiheit zu leben? Warum muss selbst ein anarchischer Staat zwangsläufig an seinen eigenen Ansprüchen scheitern?
Die kurze Antwort besteht aus nur einem einzigen Wort.
Kompromisse.

Wo auch immer Menschen aufeinander treffen kollidieren auch immer die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse mit den Ansprüchen und Bedürfnissen der anderen.
Wir suchen uns beispielsweise ein schönes Grundstück aus auf dem wir gerne unser kleines Häuschen nach unseren Vorstellungen bauen wollen. Doch was wenn jemand anderes auch auf genau dieses Grundstück ein Auge geworfen hat? Es mag kein Beinbruch sein wenn wir uns nun mit dieser Person einigen und jeder bekommt einen Teil des Grundstückes. Oder es sucht sich fairerweise jeder einfach ein anderes Grundstück aus oder sie knobeln einfach und trinken dennoch gemeinsam ein Bierchen auf das Ergebnis. Wie auch immer diese Einigung aussieht ist es dennoch letztlich wieder ein Kompromiss und entfernt sich somit vom Grundgedanken der Freiheit.
Ich sage hier nicht, dass so etwas schlimm ist oder uns zu Besorgnis hinreissen lassen sollte, ich sage nur, dass es ein Einschnitt in den Gedanken der Freiheit ist.

Einschnitte in unsere persönliche Freiheit gibt es immer wieder, sei es in Form unserer Arbeit zu der wir selbstredend regelmässig und pünktlich erscheinen müssen und nicht einfach selbst entscheiden können wann und wie lange oder ob wir überhaupt arbeiten - es sei denn wir wollen unseren Job verlieren, was dann wiederum dazu führen würde dass wir kein Geld verdienen und somit weniger Freiheiten in unserem Privatleben geniessen können.
Oder sei es durch private Verpflichtungen die wir uns immer wieder selbst auferlegen, wie zum Beispiel bei einer Zusage zu einer Party bei der man fest mit unserem Erscheinen rechnet und wir wollen schliesslich niemanden vor den Kopf stossen.
Selbst die Erwartungshaltung auf einer  Hochzeit oder gar einer Beerdigung zu erscheinen beschneidet uns in unserer persönlichen Freiheit, da wir nicht mehr selber entscheiden können was wir mit unserer Zeit anfangen wollen. Ich will damit nicht sagen, dass ein auftauchen auf einem dieser Ereignisse falsch ist oder wir einfach weg bleiben sollten, sondern nur dass es Beispiele dafür sind wie wir uns durch unsere eigenen moralischen Vorgaben im Grunde unserer Freiheit beschneiden zu tun wonach uns gerade der Sinn steht.
Es sei denn man ist tatsächlich ein Rebell und beschliesst sich der Erwartungshaltung unserer Welt einfach zu entziehen. Doch dazu gehört Mut und es dürfte mit Sicherheit auch nicht bei jedem auf vollstes Verständnis stossen, wenn man sich entschliesst nicht auf der Beerdigung eines sehr guten Freundes oder gar der eigenen Schwester aufzutauchen sondern stattdessen in Urlaub zu fahren oder in eine Bar um vielleicht sogar auf den Verstorbenen anzustossen.
Echt eine vertrackte Geschichte das mit der Freiheit.

Im Grunde ist es dennoch ganz simpel:
Optimale Freiheit ist immer dann erreicht wenn unser Verständnis von Freiheit sich absolut deckt mit unseren Bedürfnissen. Wenn wir mehr Freiheiten haben als Bedürfnisse, dann neigen wir zu Grössenwahn, exzessiver Langeweile, Überheblichkeit. Meist sehr gut zu beobachten bei Menschen die zuviel Geld besitzen und vor lauter Luxus gar nichts mehr mit sich anzufangen wissen.Wenn wir hingegen weniger Freiheiten haben als Bedürfnisse dann führt es meistens zu Unzufriedenheit, Depressionen, Ängsten. Sehr gut zu beobachten bei Menschen die ihre eigene Sexualität unterdrücken müssen, im Gefängnis sitzen oder Dinge nicht ausleben können weil sie nicht genug Geld haben, die Gesellschaft kein Verständnis zeigt oder sie den unpassenden Partner haben.

Freiheit ist also im Grunde immer ein subjektives Empfinden und der Versuch sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Ultimative Freiheit gibt es also zwangsläufig nicht, sondern nur eine Form des bestmöglichen Kompromisses.
Und sie hängt natürlich von der Persönlichkeit eines Menschen ab, denn es ist durchaus möglich das sich ein in einem bestimmten Bereich unfreier Mensch freier fühlen kann als ein eigentlich freierer Mensch. Es gibt also mit Sicherheit auch jemanden, der im Gefängnis sitzt und sich meinethalben dort selbst gefunden hat und sich tatsächlich freier fühlt als jemand der in Freiheit lebt aber mit sich selber hadert.

Im Grunde muss jeder für sich seine persönliche Freiheit finden mit der er glücklich wird und sollte gerade in unseren Breitengraden immer daran denken, dass es auf diesem Planeten Länder gibt in denen sich Menschen in Lebensgefahr begeben wenn sie sagen was sie denken oder erschossen werden nur weil sie einen kritischen Gedanken geäussert haben. Ihr solltet allerdings deshalb nicht soweit gehen und eure Bedürfnisse verstecken und nur um des lieben Friedens Willen nicht zu euch selber stehen.

Freiheit bedeutet nämlich manchmal auch den Mut zu haben unbequem zu sein, neue Wege zu gehen und auch mal was zu riskieren. Unsere Welt ist bei weitem nicht perfekt und keiner kann wirklich genau sagen welche Staatsform letztendlich die optimalste ist, deshalb brauchen wir manchmal einfach Querdenker und Rebellen. Nehmen wir uns alle so an wie wir sind und akzeptieren wir, dass nicht jeder die gleiche Vorstellung von Freiheit hat und deshalb sollten wir auch niemanden verurteilen der eine andere Variante für sich gefunden hat als die, die wir für uns selber beanspruchen.

Und selbst wenn es nicht möglich sein sollte unsere Freiheit so auszuleben wie wir es uns wünschen, dann sollten wir auch lernen bescheidener zu sein und das schätzen zu lernen was wir besitzen.
Wir haben hier bei uns schon eine enorme Form der Freiheit gefunden und das ist wesentlich mehr als die meisten Menschen auf dieser kleinen Erde behaupten können.

Trotzdem...Seid mutig und riskiert es auch mal die Grenzen dieser existierenden Freiheit zu verschieben und dem Leben eine neue Richtung zu geben.
Offenbart euch.
Lebt euer Leben in vollen Zügen.
Geniesst was ihr habt aber erweitert euren Horizont und blickt auch mal über den Telerrand hinaus.
Riskiert mal was.

Freiheit ist immer elementar.




Dienstag, 23. Mai 2017

Gefühle

So...nun wird es schwierig denn in meinem heutigen Beitrag möchte ich einmal über das Thema Gefühle sprechen.

Wir alle fühlen.

Das ist zumindest schon einmal eine fundamentale Erkenntnis.
Und ich persönlich bin davon überzeugt, dass die Mechanismen hinter diesen Gefühlen bei jedem Menschen erst einmal grundlegend dieselben sind.
Wir alle wissen was Hass ist, was Liebe bedeutet, was Trauer ist, Angst, Verzweiflung, Freude oder auch Enthusiasmus. Es gibt noch soviel mehr und all die vielfältigen Emotionen die diese Welt und unser Körper zu bieten haben, dürften uns allen zunächst grundsätzlich vertraut sein und die meisten dieser Gefühle haben wir alle schon gespürt, wenn auch vielleicht in unterschiedlicher Ausprägung und Intensität.
Dieser Gedanke ist für mich zumindest beruhigend, zeigt er mir doch dass wir alle im Kern unseres Wesens gleich sind.
Das was uns unterscheidet und was das Leben miteinander so extrem schwierig gestaltet ist die unterschiedliche Art der Verarbeitung dieser Emotionen, die grundlegende Sichtweise in Bezug auf unsere Empfindungen.

Nehmen wir zum Beispiel das Gefühl der Trauer.
Grundsätzlich wissen wir alle was Trauer ist und wie es sich anfühlt. Dieser alles zu verschlingende Schmerz der uns heimsucht wenn wir um etwas oder jemanden trauern und deshalb sollte es doch eigentlich auch einfach sein sich in die Lage eines trauernden Menschen hinein zu versetzen und zu verstehen was in dieser Person in der Phase der Trauer vorgeht.
So einfach wie es scheint ist es dann allerdings doch nicht, denn jeder Mensch trauert anders, hat eine andere Art der Verarbeitung dieser grausig scheinenden Emotion und sogar eine andere Geschwindigkeit der Bewältigung dieser Gefühle.

Die grundlegende Emotion ist stets dieselbe und dennoch...
Der eine weint eine Woche lang fast ununterbrochen wenn zum Beispiel ein geliebter Mensch stirbt.
Der andere wiederum kann einen Monat nicht mehr sprechen nach dem Verlust einer geliebten Person.
Und wieder ein anderer kann sich schon am selben Abend nachdem er die schreckliche Nachricht des Todes eines lieben Angehörigen erhalten hat mit Freunden eine Komödie im Kino ansehen und Spaß haben.
Ist dieser Mensch deshalb schlechter als die beiden zuvor genannten?
Nein!
Denn wie ich bereits gesagt habe hat jeder Mensch eine andere Art der Verarbeitung seiner Trauer und nur weil jemand schon sehr früh wieder fröhlich lachen kann heisst es nicht automatisch das dieser Person der Verlust weniger schmerzhaft erscheint als jemandem der einen Monat ununterbrochen weint.
Vielleicht trauert er still?
Vielleicht weint diese Person heimlich?
Vielleicht überdeckt dieser Mensch seine Traurigkeit mit der nach aussen getragenen Freude?
Oder vielleicht kann er einfach tatsächlich besser mit dieser Emotion umgehen, weil er ein anderes Verständnis vom Tod hat, weil er anders mit diesen Gefühlen umgeht, weil die gestorbene Person zeit seines Lebens ein fröhlicher Mensch war und es sich so gewünscht hätte, weil er einfach eine andere Form der Schmerzbewältigung hat...
Die Gründe können so vielfältig sein wie Sand am Meer, das wesentliche dahinter bleibt stets dasselbe Gefühl.
Und deshalb sollten wir niemanden verurteilen der anders trauert als wir es von uns selbst gewohnt sind oder es die Gesellschaft von heute traurigerweise verlangt.

Um wieder auf den Kern dieses Artikels zurück zu kommen, jeder Mensch hat die gleichen Gefühle, die von seinem Körper, seinem Gehirn und - so es sie denn gibt meinethalben auch - seiner Seele gebildet werden und dennoch kann sich die Verarbeitung dieser Emotionen grundlegend voneinander unterscheiden.
Die Betrachtung der Gefühle die beim trauern auftreten können sollen hier auch nur als Beispiel dienen, um zu verdeutlichen wie enorm allein die Unterschiede bei nur einem einzigen Gefühl sein können. Betrachtet man nun einmal wieviele unterschiedliche Gefühle der Mensch produzieren kann und wie unglaublich vielfältig diese sein können, dann wird vielleicht auch deutlich worauf ich hinaus will.

Es steht uns nicht zu einen anderen Menschen zu verurteilen nur weil er eine andere Art der Verarbeitung seiner Emotionen hat als wir es von uns selber gewohnt sind.
Zeigen wir nicht mit dem Finger auf jemanden, der zum Beispiel eine andere Art hat mit dem Gefühl der Liebe umzugehen, verurteilen wir niemanden der anders als wir es vielleicht tun mit dem Gefühl der Freude umgeht. Lachen wir nicht über einen Menschen der vielleicht eine andere Sichtweise zum Thema Tod und Trauer hat als wir sie haben.

Wenn jemand nachts im warmen Sommerregen tanzen möchte weil es ihm ein unglaublich befreiendes Gefühl gibt dann sollten wir nicht darüber lachen sondern uns mit ihm darüber freuen.

Wenn jemand nach dem Tod seines Partners bereits eine Woche später einen neuen Partner gefunden hat, dann sollten wir diesen Menschen nicht vorschnell verurteilen.
Vielleicht kommt er besser mit dem Tod zurecht als es manch anderer kann?
Vielleicht hatten sich er und sein Partner schon lange vor dessen Tod auseinander gelebt?
Vielleicht war es bloss ein ganz grosser Zufall und die beiden haben sich auf der Trauerfeier kennen und lieben gelernt?

Wenn jemandem Tränen vor Rührung oder gar Freude in die Augen treten weil er in einer Bäckerei ein ganz spezielles Brot wieder entdeckt hat, dann sollte uns das nicht zum schadenfrohen Lachen animieren sondern es sollte unser Herz berühren.
Vielleicht hängen Kindheitserinnerungen an diesem Brot?
Vielleicht war es genau dieses Brot was er auf der Beerdigung seines Vaters gegessen hat? Die Gründe können auch hier genauso vielfältig wie sogar banal sein.

Fakt ist in allen angeführten Beispielen: Wir wissen es nicht und genau deshalb steht uns absolut kein Urteil zu.

Ich könnte hier nun tausende und abertausende von Beispielen anführen wie uns Emotionen unser ganzes Leben lang begleiten, manipulieren und geradezu lenken doch das würde vollkommen den Rahmen meines Blogs sprengen und ist auch nicht wirklich Sinn der Sache.
Mir geht es einzig und allein darum das ihr begreift, dass wir niemanden für seine Gefühle verurteilen sollten. Jeder Mensch tickt anders, hat andere Bedürfnisse, andere Arten der Verarbeitung und egal wie vielfältig und tiefgreifend diese Emotionen auch sein mögen.
Jeder Mensch verdient es dass er respektiert wird.
Das seine Gefühle ernst genommen werden.
Das er akzeptiert wird.
Und ob wir es in vielen Fällen nachvollziehen können, weil wir eine ähnliche Art der Verarbeitung haben oder ob wir uns schwer damit tun, weil wir es eventuell ganz anders sehen, wichtig ist das wir Verständnis haben.
Das wir Zuhören.
Das wir voneinander Lernen.
Versuchen zu Begreifen.
Wir alle sind von derselben Gattung und haben die gleichen Gefühle.
Wenn wir uns darüber vollkommen im Klaren sind, dann könnte die Welt um so vieles einfacher sein.

Ein weiterer von unendlich vielfältigen Aspekten der Gefühle ist unsere scheinbare Unfähigkeit oder auch Angst diese zu offenbaren und in verständliche Worte zu kleiden, die andere Menschen auch verstehen.

Wie macht man einem nicht betroffenen klar wie es sich anfühlt an einer schweren Depression zu leiden?
Wie kann ich jemandem der keinerlei Erfahrung damit hat begreiflich machen was es heisst an einer Essstörung zu leiden?
Wie schaffe ich es jemandem meine Gefühle zu gestehen ohne wie der letzte Trottel da zu stehen?
Wie schaffe ich es jemandem klar zu machen wie schwer dieses Dilemma ist, jemanden zu lieben aber aus Rücksicht diese Gefühle für sich zu behalten?
Wie fange ich es an meinen Eltern zu offenbaren, dass ich homosexuell bin?
Oder viel banaler: Wie mache ich jemandem begreiflich was ein bestimmter Song, eine bestimmte Serie oder ein ganz besonderes Buch für eine emotionale Rakete in meinen Eingeweiden zündet?

Die Antwort ist auch hier wieder absolut simpel in der Aussage und doch um so vieles schwieriger in der Ausführung.
Durch Sprache.
Sei es nun das gesprochene oder auch das geschriebene Wort.

Manchmal reichen sogar Gestik und Mimik um jemandem unsere Gefühlswelt näher zu bringen.
Wenn wir über einen für uns besonders lustigen Witz lachen, dann werden die meisten die dahinter liegenden Emotionen auch ohne Worte nachvollziehen können, sofern sie einen ähnlichen Humor haben. Wenn wir an einer traurigen Stelle in einem Film weinen, dann werden auch hier die meisten die Mechanismen die dazu geführt haben nachvollziehen können sofern auch hier wieder die Art des Trauerverständnisses eine ähnliche ist. In dieser Form könnte ich auch hier unendlich viele Variationen auflisten die letztendlich tatsächlich nur Variationen darstellen und deshalb auch nicht notwendig sind, denn ich denke auch hier ist das elementare bereits klar geworden.

Ungleich schwerer wird es tatsächlich bei sehr persönlichen Erfahrungen die derjenige dem wir uns anvertrauen noch nicht gemacht hat und vielleicht sogar auch nie machen wird.
Wo fangen wir an?
Was ist das entscheidende was ich rüberbringen will?
Wie verdeutliche ich was in mir vorgeht ohne das der andere mit völligem Unverständnis reagiert?
Wichtig ist immer das wir als Zuhörer den Gesprächsteilnehmer der uns sein Herz ausschüttet in jedem Augenblick ernst nehmen, uns nicht darüber lustig machen,versuchen ihn zu verstehen, uns mit der Thematik auseinander zu setzen und vor allem anderen eins tun: Zuhören!
Es ist schon schwer genug wenn man versucht sich zu öffnen, um Rat zu fragen, versuchen zu erklären was man fühlt, diesen Schritt überhaupt zu gehen und genau deshalb ist es wichtig nicht zu urteilen sondern zuzuhören.
Verständnis zu haben.
Da zu sein.
Manchmal ist sogar das genug.
Einfach nur da zu sein.

Manchen Menschen fällt es leichter als anderen über ihre Gefühle zu sprechen und es gibt durchaus Menschen die ihr Herz quasi auf der Zunge tragen. Anderen wiederum fällt es unglaublich schwer über ihre Emotionen zu reden oder gar zu schreiben und deshalb ist es wichtig in diesem Leben achtsam zu sein, ein offenes Ohr zu signalisieren und demjenigen Zeit zu geben, nie zu drängen und ihm immer das Gefühl zu vermitteln, dass wir da sind wenn er uns braucht und reden will.

Gefühle sind eine hochkomplexe Angelegenheit und erfordern immer Fingerspitzengefühl.
Umgekehrt ist es natürlich genauso wichtig für denjenigen, der etwas auf dem Herzen hat auch für die Person Verständnis zu zeigen, der man sich anvertraut. Keine Wunder zu erwarten und auch hier sensibel zu sein und dem Zuhörenden Zeit zu geben mit dem Gesagten klar zu kommen. Verständnis zu entwickeln und nicht gleich aufzugeben, weil wir anfangs vielleicht das Gefühl haben auf Unverständnis zu stossen.
Vieles ist auf beiden Seiten auch immer ein Lernprozess der manchmal einfach seine Zeit braucht.
Ich kann auch hier nur wiederholen was ich schon mehrfach erwähnt habe.
Zuhören.
Verständnis zeigen.
Lernen.
Einfach füreinander da sein.

Und mit diesen Worten möchte ich meinen kleinen Exkurs zum Thema Gefühle auch schon wieder beenden. Ich könnte noch soviel zu dieser Thematik sagen, soviele Beispiele anführen, eine so grosse Bandbreite an unterschiedlichen Formen der Gefühle präsentieren, dass es einem schier schwindelig zu werden droht, doch das haben schon ganz andere viel intensiver und viel besser gemacht, als ich es je könnte.
Poeten haben ganze Oden über vielschichtige Emotionen verfasst, Liedtexter haben Songs über die Liebe geschrieben in Worten die mir nicht im Traum auf diese Weise eingefallen wären, Komponisten, Visionäre, Betroffene, Hinterbliebene, Sterbende haben Worte zu Papier gebracht die  soviel Tragik, Tiefe und Bedeutung haben, dass ich mit meinem kleinen Beitrag auch nicht einmal in die Nähe dieser tiefschürfenden Kunst geraten könnte.
Und immer geht es um dasselbe.

Um Gefühle.

Lernen wir!
Verstehen wir!
Hören wir einander zu!
Seien wir einfach füreinander da.

Mehr ist es eigentlich gar nicht.





Samstag, 13. Mai 2017

Das dynamische Leben

Das Leben ist nicht statisch und verläuft nur selten in geordneten Bahnen und wenn es das doch einmal zu tun droht, dann ist es vielleicht Zeit daran etwas zu ändern.
Nichts ist berechenbarer und demzufolge auch langweiliger als ein allzu geregeltes Leben.
Natürlich ist es beruhigend zu wissen wo man steht und wie sich der eigene Tagesablauf gestaltet, doch wenn es statisch zu werden droht und es statt zu Entspannung zu Anspannung führt, es einen blockiert und ausbremst, ist es dann nicht an der Zeit gegenzusteuern und eine neue Richtung einzuschlagen?
Wie oft höre ich Sätze wie 'Lebe deinen Traum' oder 'Stay true to yourself' und ähnlich gelagerte Textsequenzen und dennoch hält sich kaum jemand daran. Wir posaunen unsere ach so geliebte Unabhängigkeit, unsere Wunschvorstellung von Freiheit in diese Welt hinaus und verschanzen uns doch hinter unserer eigenen Bequemlichkeit. Die ist so schön praktisch. Vorhersehbar. Entspannend.
Im Grunde ist sie eigentlich nur eines: Lähmend.
Furcht. Angst. Gesellschaftliche Normen. All diese Dinge, all diese negativen Emotionen halten uns zurück, bremsen uns aus, lassen uns phlegmatisch werden. Wir ruhen uns aus auf unserem selbst gebastelten Ruhekissen und merken nicht einmal wie uns langsam aber sicher die Leidenschaft, die Lust, die Energie auf Neues, die Abenteuerfreude abhanden kommen. Wir halten fest an der Statik des Seins. Wollen niemanden verletzen, niemandem weh tun, haben Angst vor Verlust und Einsamkeit, sperren uns selbst ein in ein geordnetes Gefängnis aus purer Lethargie.

Vielleicht ist eine gewisse Routine und ein gewisses Maß an Statik gar nicht ganz falsch, denn ein wenig Beruhigung und eine gewisse kleine Oase im steten Strom der Veränderung kann manchmal auch die Seele entlasten und auch wenn es bei mir noch nicht der Fall ist, sollte sie doch nicht zum reinen Selbstzweck verkommen.
Was zählt sind unser Herz und unsere Sehnsüchte.
Ich finde es einfach grossartig wenn Menschen den Mut finden ihr Leben einmal gehörig auf den Kopf zu stellen, eine vollkommen neue Richtung einzuschlagen, ausserhalb der Box zu denken wie man so schön sagt und einfach mal ihre Ängste und Bedenken beiseite zu schieben und die Dinge in die Tat umzusetzen von denen sie immer schon geträumt haben.

Und das können manchmal ganz profane Dinge sein.
Ihr habt Lust auf ein neues Tattoo und euch bisher einfach nicht getraut? Hört auf zu lamentieren und macht einen Termin beim Tätowierer!
Ihr wolltet schon immer einmal einen Fallschirmsprung absolvieren? Dann nichts wie los!
Euch geht euer bisheriges Leben mit den immer gleichen Abfolgen auf die Nerven? Dann ändert es!
Ihr tragt Altlasten mit euch herum und es gibt unerledigte persönliche Probleme mit geliebten Menschen? Dann sprecht mit ihnen! Klärt das!
Werft Ballast ab!

Genau das ist es was ich zur Zeit mache, ich kümmere mich um die Bewältigung meiner Vergangenheit, strukturiere meine Zukunftspläne, erledige unerledigtes und wage mich hinaus in diese große verrückte Welt da draussen, neu gestärkt und gänzlich erfrischt!
Und es tut verdammt gut, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist und dabei ein paar alte Wunden wieder aufgerissen werden. Dennoch hilft es mir und nur wenn alte Verbände und eine nur sehr halbherzig geflickte Psyche endlich vernünftig repariert werden, können sie auch heilen. Denn nur so können Probleme wirklich wirksam behoben werden. Nur so kann eine aufgepeitschte Seele zur Ruhe kommen. Und nur durch diese direkte Konfrontation mit der Vergangenheit kann der Weg bereitet werden für eine grandiose Zukunft ohne Angst.

Manch einer mag sich fragen, ob das hier im Grunde nicht auch wieder nur eine andere Form der Phrasendrescherei ohne echte Substanz ist und so eine Frage ist durchaus berechtigt.
Für den ein oder anderen mag das eventuell sogar zutreffen, aber nicht für mich. Ich habe entschieden, dass es Zeit ist für ein großes Tabularasa und  hoffe dabei nur dass ich keine allzu große Schneise der Verwüstung hinterlasse, denn das ist nicht das was ich damit beabsichtige...ganz im Gegenteil! Wer mich mag, mag mich so wie ich bin, wer mich liebt, liebt mich um meiner Selbst willen. Trage ich hier nur wieder ein bisschen zu dick auf? Kann schon sein dass ich mein mentales Budget hier ganz schön strapaziere, mich ein wenig zu weit aus dem Fenster lehne und eine innere Veränderung hier zu einem grandiosen Happening hochstilisiere. Selbstreflexion zum heiligen Gral des Lebens, zum Mount Everest der Selbsterkenntnis beschwöre. 
Doch vollkommen egal ob dick aufgetragen oder nicht, im Kern ist dies der einzige Weg.
Wie sagte auch schon der von mir hochgeschätzte Trent Reznor, seines Zeichens Master Mind von Nine Inch Nails in einem seiner Songs: 'The only Way is Through'
Der einzige Weg ist mittendurch.
Und ich habe die Tür geöffnet.
Weit geöffnet.
Zumachen ist nun nicht mehr möglich.
Jetzt gibt es nur noch durch...

Womit ich wieder am Anfang dieses analytisch gefärbten Textes bin.
Leben ist dynamisch.
Und das ist auch gut so, denn nur so bringen wir unser Blut in Wallung, nur so wecken wir unsere Leidenschaften, entdecken unsere Begehrlichkeiten und damit den Kern unseres Selbst.
Liebe.
Lust.
Freiheit.
Atmen!Spüren!Fühlen!Leben!!!
Und das gilt für euch alle.
Versteckt euch nicht sondern habt den Mut euch zu öffnen.
Riskiert mal etwas.
Geht aus euch raus!

So, bevor ich hier doch wieder nur den Motivator raushängen lasse und mich in endlosen Phrasen enthusiastischer Beschwörungsformeln verliere höre ich auch schon wieder auf und danke für eure Aufmerksamkeit.
Und jetzt ab!
Raus mit euch!
Die Welt wartet!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Fußspuren

Wir alle hinterlassen unsere Fußspuren auf diesem Planeten.
Manche Fußspuren sind jahrtausende alt und wir wiederholen nur vorgefertigte Pfade.
Begehen Wege die schon unsere Vorväter gegangen sind.

Kopieren die Schritte unserer Eltern und Grosseltern.
Sehen wir diese Wege oder sind wir blinde Reisende ohne Ziel, die nur versuchen einen Sinn hinter all diesen Pfaden zu entdecken?

Sollten wir nicht auch unsere eigenen Fußspuren hinterlassen?
Das Leben ist ein so wunderbares Geschenk und so eine unglaublich erlebnissreiche Reise voller Wunder und Emotionen.

Es gibt viele schmerzhafte Pfade und Situationen die uns hilflos machen gegen die schiere Urgewalt des Schicksals und der Erfordernisse.
Die uns ängstigen und einfach zu überfordern scheinen.
Doch wir überstehen sie.
Irgendwie.

Im Grunde sind wir alle so klein auf diesem unglaublichen blauen Ball, der seine Kreise durch das unendliche Weltall zieht.

Es ist immer wieder ein Erlebnis einen ausgetretenen alten Pfad zu verlassen und die Welt mit vollkommen neuen Augen zu betrachten.

Ich glaube mit emotionalen aufputschenden Phrasen lässt sich diese Erde nicht zu einem noch positiveren Ort machen sondern nur durch Mut.
Durch den Mut uralte Wege zu verlassen.
Ausserhalb von Schubladen zu denken.
Keine Scheu zu haben unbequem zu sein.

Diese kleine verrückte Erde braucht endlich wieder Visionäre, Magier, Poeten und Menschen die ihre Ängste überwinden und neue Wege beschreiten, die Vorreiter sind in so vielen Belangen und die uns inspirieren nicht immer wieder die gleichen Schritte zu gehen, wie schon so viele Menschen vor uns.

Wir sollten endlich den Mut haben zu uns selber zu stehen und uns nicht zu verstecken. Nehmen wir uns an und entdecken gemeinsam neue Pfade!

Denn letztendlich sind wir doch alle gleich.