Gibt es die Freiheit als solche tatsächlich oder wünschen wir uns nur dass sie real ist?
Zuerst einmal gilt es herauszufinden was Freiheit eigentlich genau bedeutet.
Wir alle leben in einem freien Deutschland, in einem freien Europa und in einer sogenannten Demokratie in der die Entscheidungen von der sogenannten Mehrheit getroffen werden.
Ist Demokratie also die optimal möglichste Form der Freiheit?
Wir dürfen prinzipiell sagen und denken was wir wollen ohne tendenziell Angst haben zu müssen dafür bestraft zu werden. Wobei die Sache mit dem aussprechen der eigenen Gedanken nicht zwangsläufig so ohne weiteres möglich ist ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Denken wir nur einmal an das Thema Verleumdung, an Beleidigungen, an Anfeindungen jedweder Art. Diese Dinge gehören meiner Ansicht nach tatsächlich geahndet und im Extremfall auch bestraft. Doch was bedeutet es dann für die Freiheit? Ist unter solchen Gesichtspunkten eine ultimative Freiheit überhaupt möglich oder bleibt uns nur das herantasten und der Versuch dem Ideal von Freiheit so nah wie möglich zu kommen?
Logischerweise ist es strafbar einem anderen Menschen Leid zu zu fügen, ihn zu bestehlen oder im schlimmsten Fall sogar zu ermorden. Doch wenn man die Freiheit als etwas vollkommenes und unantastbares betrachten würde, dann wäre jedwede Einschränkung in diesen drastischen Fällen zwangsläufig ein ausbremsen des Freiheitsgedankens. Genau deshalb kann es nur einen logischen Schluss geben: Ultimative Freiheit gibt es nicht und kann es auch niemals geben. Es ist unabdingbar unser gemeinsames Leben in eine gewisse Form der Gesetzgebung zu bringen und der Exzessivität in vielen Bereichen ein Limit zu setzen. Sollte die Menschheit eines Tages soweit sein, dass Mord und Totschlag insofern der Vergangenheit angehören, dass diese extremen Gelüste selbst bei den niederträchtigsten Menschen gar nicht erst aufkommen und sogar vollkommen undenkbar sein, dann nähern wir uns eventuell so etwas wie ultimativer Freiheit ein wenig an.
Halten wir also fest: Vollkommene Freiheit gibt es nicht.
Doch welche Form der Freiheit bleibt uns dann und wie können wir die höchstmögliche Form davon zu Lebzeiten erreichen?
Das wichtigste dabei ist dass wir in unseren grundsätzlichen Entscheidungen frei sind und nie das Gefühl haben fremdbestimmt zu agieren. Wir wollen es selbst in der Hand haben wann wir aufstehen, was wir zum Frühstück essen, ob wir überhaupt frühstücken, was wir mit unserer Zeit anfangen, wohin wir gehen, mit wem wir befreundet sein wollen, welche Konzerte wir besuchen, welche Bücher wir lesen, ob wir etwas tun oder uns einfach nur zurücklehnen und in den Tag hinein träumen.
Solange wir selbst bewusst entscheiden können was wir mit unserem Leben anfangen wollen haben wir schon die beinahe grösstmögliche Form der Freiheit erreicht und können uns zumindest sehr glücklich schätzen, denn diese Form der Freiheit existiert leider nicht überall auf diesem Planeten.
Insofern ist ein demokratisches Land wohl so nahe wie möglich dran an der Freiheit.
Es gibt natürlich auch andere Staatsformen die unter den richtigen Bedingungen noch näher an die optimalste Form der Freiheit heranreichen können, wie zum Beispiel die sogenannte Anarchie. Und damit meine ich nicht das totale Chaos wie es in diversen Blockbustern oder in den Mainstreammedien gerne dargestellt wird, sondern den Kern hinter dem ganzen. Jeder kann so sein und leben wie er oder sie es gerne möchte. Ohne Reglementierungen oder Normen wie sie in unseren Breiten gerne aufgesetzt werden.
Doch wo liegt dann eigentlich das Problem? Warum ist es nicht möglich die ultimative Form der Freiheit zu leben? Warum muss selbst ein anarchischer Staat zwangsläufig an seinen eigenen Ansprüchen scheitern?
Die kurze Antwort besteht aus nur einem einzigen Wort.
Kompromisse.
Wo auch immer Menschen aufeinander treffen kollidieren auch immer die eigenen Ansprüche und Bedürfnisse mit den Ansprüchen und Bedürfnissen der anderen.
Wir suchen uns beispielsweise ein schönes Grundstück aus auf dem wir gerne unser kleines Häuschen nach unseren Vorstellungen bauen wollen. Doch was wenn jemand anderes auch auf genau dieses Grundstück ein Auge geworfen hat? Es mag kein Beinbruch sein wenn wir uns nun mit dieser Person einigen und jeder bekommt einen Teil des Grundstückes. Oder es sucht sich fairerweise jeder einfach ein anderes Grundstück aus oder sie knobeln einfach und trinken dennoch gemeinsam ein Bierchen auf das Ergebnis. Wie auch immer diese Einigung aussieht ist es dennoch letztlich wieder ein Kompromiss und entfernt sich somit vom Grundgedanken der Freiheit.
Ich sage hier nicht, dass so etwas schlimm ist oder uns zu Besorgnis hinreissen lassen sollte, ich sage nur, dass es ein Einschnitt in den Gedanken der Freiheit ist.
Einschnitte in unsere persönliche Freiheit gibt es immer wieder, sei es in Form unserer Arbeit zu der wir selbstredend regelmässig und pünktlich erscheinen müssen und nicht einfach selbst entscheiden können wann und wie lange oder ob wir überhaupt arbeiten - es sei denn wir wollen unseren Job verlieren, was dann wiederum dazu führen würde dass wir kein Geld verdienen und somit weniger Freiheiten in unserem Privatleben geniessen können.
Oder sei es durch private Verpflichtungen die wir uns immer wieder selbst auferlegen, wie zum Beispiel bei einer Zusage zu einer Party bei der man fest mit unserem Erscheinen rechnet und wir wollen schliesslich niemanden vor den Kopf stossen.
Selbst die Erwartungshaltung auf einer Hochzeit oder gar einer Beerdigung zu erscheinen beschneidet uns in unserer persönlichen Freiheit, da wir nicht mehr selber entscheiden können was wir mit unserer Zeit anfangen wollen. Ich will damit nicht sagen, dass ein auftauchen auf einem dieser Ereignisse falsch ist oder wir einfach weg bleiben sollten, sondern nur dass es Beispiele dafür sind wie wir uns durch unsere eigenen moralischen Vorgaben im Grunde unserer Freiheit beschneiden zu tun wonach uns gerade der Sinn steht.
Es sei denn man ist tatsächlich ein Rebell und beschliesst sich der Erwartungshaltung unserer Welt einfach zu entziehen. Doch dazu gehört Mut und es dürfte mit Sicherheit auch nicht bei jedem auf vollstes Verständnis stossen, wenn man sich entschliesst nicht auf der Beerdigung eines sehr guten Freundes oder gar der eigenen Schwester aufzutauchen sondern stattdessen in Urlaub zu fahren oder in eine Bar um vielleicht sogar auf den Verstorbenen anzustossen.
Echt eine vertrackte Geschichte das mit der Freiheit.
Im Grunde ist es dennoch ganz simpel:
Optimale Freiheit ist immer dann erreicht wenn unser Verständnis von Freiheit sich absolut deckt mit unseren Bedürfnissen. Wenn wir mehr Freiheiten haben als Bedürfnisse, dann neigen wir zu Grössenwahn, exzessiver Langeweile, Überheblichkeit. Meist sehr gut zu beobachten bei Menschen die zuviel Geld besitzen und vor lauter Luxus gar nichts mehr mit sich anzufangen wissen.Wenn wir hingegen weniger Freiheiten haben als Bedürfnisse dann führt es meistens zu Unzufriedenheit, Depressionen, Ängsten. Sehr gut zu beobachten bei Menschen die ihre eigene Sexualität unterdrücken müssen, im Gefängnis sitzen oder Dinge nicht ausleben können weil sie nicht genug Geld haben, die Gesellschaft kein Verständnis zeigt oder sie den unpassenden Partner haben.
Freiheit ist also im Grunde immer ein subjektives Empfinden und der Versuch sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Ultimative Freiheit gibt es also zwangsläufig nicht, sondern nur eine Form des bestmöglichen Kompromisses.
Und sie hängt natürlich von der Persönlichkeit eines Menschen ab, denn es ist durchaus möglich das sich ein in einem bestimmten Bereich unfreier Mensch freier fühlen kann als ein eigentlich freierer Mensch. Es gibt also mit Sicherheit auch jemanden, der im Gefängnis sitzt und sich meinethalben dort selbst gefunden hat und sich tatsächlich freier fühlt als jemand der in Freiheit lebt aber mit sich selber hadert.
Im Grunde muss jeder für sich seine persönliche Freiheit finden mit der er glücklich wird und sollte gerade in unseren Breitengraden immer daran denken, dass es auf diesem Planeten Länder gibt in denen sich Menschen in Lebensgefahr begeben wenn sie sagen was sie denken oder erschossen werden nur weil sie einen kritischen Gedanken geäussert haben. Ihr solltet allerdings deshalb nicht soweit gehen und eure Bedürfnisse verstecken und nur um des lieben Friedens Willen nicht zu euch selber stehen.
Freiheit bedeutet nämlich manchmal auch den Mut zu haben unbequem zu sein, neue Wege zu gehen und auch mal was zu riskieren. Unsere Welt ist bei weitem nicht perfekt und keiner kann wirklich genau sagen welche Staatsform letztendlich die optimalste ist, deshalb brauchen wir manchmal einfach Querdenker und Rebellen. Nehmen wir uns alle so an wie wir sind und akzeptieren wir, dass nicht jeder die gleiche Vorstellung von Freiheit hat und deshalb sollten wir auch niemanden verurteilen der eine andere Variante für sich gefunden hat als die, die wir für uns selber beanspruchen.
Und selbst wenn es nicht möglich sein sollte unsere Freiheit so auszuleben wie wir es uns wünschen, dann sollten wir auch lernen bescheidener zu sein und das schätzen zu lernen was wir besitzen.
Wir haben hier bei uns schon eine enorme Form der Freiheit gefunden und das ist wesentlich mehr als die meisten Menschen auf dieser kleinen Erde behaupten können.
Trotzdem...Seid mutig und riskiert es auch mal die Grenzen dieser existierenden Freiheit zu verschieben und dem Leben eine neue Richtung zu geben.
Offenbart euch.
Lebt euer Leben in vollen Zügen.
Geniesst was ihr habt aber erweitert euren Horizont und blickt auch mal über den Telerrand hinaus.
Riskiert mal was.
Freiheit ist immer elementar.
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